Fake News, Hasstiraden im Internet, neue Rechte, die AfD erschreckend erfolgreich. Können wir – systemische Berater*innen – da einfach so weiter machen, business as usual? Wir Berater*innen bewegen uns in einer Blase, in der wir fast nur Menschen begegnen, die ähnlicher Meinung sind wie wir. Wir sind ausgelastet: Kaum haben wir Zeit oder Energie, uns politisch zu engagieren oder auf die Straße zu gehen: Was nun?

Timothy Snyder, Professor für osteuropäische Geschichte in Yale, hat ein kleines, sehr lesenswertes Buch mit 20 Lektionen gegen Tyrannen geschrieben: Über Tyrannei. Sein Hintergrund sind die Erfahrungen mit Tyrannen und Ideologien, mit Völkermord und Massenvernichtung im letzten Jahrhundert, seine Adressaten sind, wenn auch nie namentlich genannt, die neuen Autokraten des 21. Jahrhunderts. Besser: Seine Adressaten sind wir, die wir uns an die neuen Tyranneien gewöhnen – oder ihnen widerstehen könnten. Aber wie?

Beim Netzwerktag des Instituts persönlichkeit+ethik, dem jährlichen Treffen mit unseren Kooperationspartner*innen, lasen wir seine 20 Lektionen und verbanden sie mit unserem Beraterleben. Unterstützt Organisationen der Zivilgesellschaft mit Geld, damit sie ihre Arbeit tun und auf Schieflagen hinweisen können. Macht physische Politik, kommt heraus aus dem Sessel und der Konsumentenhaltung, geht auf die Straße. Haltet Euch vom Internet fern, lest Bücher und Zeitungen. Unterstützt Qualitätsjournalismus. Erhaltet und pflegt Freundschaften mit Menschen im Ausland: Ein Beraterkollege erzählt von Freunden aus Israel und deren Wirklichkeitssicht, die in unseren Medien kaum vorkommt.

Nicht nur privat, auch im Berateralltag lässt sich leben, was Snyder rät. Lernt demokratische und rechtsstaatliche Institutionen zu schätzen: Wen beraten und unterstützen wir im öffentlichen und kommunalen Bereich, auch wenn der Tagessatz nicht so hoch ist wie in der freien Wirtschaft? Nehmt Augenkontakt auf, denn Tyrannen setzen auf das Wegsehen: Augenhöhe, offener Dialog zwischen Hierarchien und Bereichen gehört zu unseren Grundhaltungen. Wo unterstützen wir Unternehmen, ihre Mitarbeiter*innen nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als Menschen ernstzunehmen? Wo haben wir den Mut, Auftraggebern den Spiegel vorzuhalten? Wo lassen wir uns stören, auf Gespräche ein, wo sind wir neugierig – auf unsere Kunden, auf unseren Fahrten mit Bahn und Taxi?

So hart und klar die Lektionen von Snyder sind, weil sie zeigen, wie nahe Autokratie und Gewohnheit liegen, wie unauffällig Tyrannei sich einschleichen kann, so ermutigend ist sein Text: Es braucht nicht die große Aktion, den großen Mut, sich der Tyrannei entgegenzustellen. Es geht im Berateralltag, aufmerksam und Schritt für Schritt.

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