Interdisziplinäres Kolloquium

Bisherige interdisziplinäre Institutskolloquien

Unsere Kolloquien verstehen sich als wissenschaftliche Dialoge aus der Praxis und für die Praxis: Wir verbinden Impulsvorträge von erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern aus Wirtschaft und Diakonie mit grundsätzlichen Überlegungen zu Möglichkeit und Grenzen von Ethik in Organisationen. Wir setzen auf einen lebendigen Austausch in Gruppengesprächen, um die Fragen und Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vermehrt zu Wort kommen zu lassen. Nachfolgend finden Sie die Ausschreibungstexte und Beitragstitel der Kolloquien seit 2002.

Die Beiträge und Referate liegen uns in aller Regel als PDF vor. Wenn Sie Interesse an dem einen oder anderen Beitrag haben, mailen wir Ihn ihn gerne zu, sofern wir ihn zur Veröffentlichung vorliegen haben.

Kolloquium 2006
Der Sinn des Ganzen?
 
Spiritualität + Management.

Haus eckstein, Nürnberg
, Freitag, 7. Juli 2006, 9.30 bis 17.00 Uhr

Spiritualität boomt. Der Markt für fernöstliche und esoterische Spiritualitätskonzepte wächst kontinuierlich. Auch die uralten Traditionen christlicher Spiritualität erfahren neue Aufmerksamkeit. Leider faszinieren zunehmend ebenso die Heilsversprechungen manipulativer Spiritualitätslehren.

Auch in der Wirtschaft ist Spiritualität mittlerweile keineswegs nur ein Thema einiger skurriler oder frömmlerischer Außenseiter. In Zeiten, deren Zeichen immer mehr auf Veränderung und immer weniger auf Verlässlichkeit stehen, suchen gerade Führungspersönlichkeiten am Puls der Zeit stärker denn je nach innerer Ruhe und nach Kraftquellen für Arbeit und Leben. Sie ziehen sich in Klöster zurück oder nehmen eine jener spirituellen Auszeiten, die das Institut persönlichkeit+ethik im Advent und in der Passionszeit unter dem Thema „Leidenschaft.Erfolg.Sinn.“ im Wildbad und in den Kirchen Rothenburgs ob der Tauber durchführt.

Für geistesgegenwärtige Managerinnen und Manager stellt sich die Frage, was im Leben wirklich zählt und dem Ganzen Sinn gibt, mitten im Tagesgeschäft, aber natürlich auch in Existenzkrisen von Individuen und Unternehmen. Wie geht man als Führungskraft damit um, wenn der berufliche Erfolg als Sinnstifter des eigenen Lebens und des Lebens von Mitarbeitenden versagt? Könnte die Kultivierung spiritueller Führungskompetenz in schwierigen Zeiten stärkend und motivierend wirken? Doch was ist überhaupt spirituelle Kompetenz? Kann man sie lernen und womöglich so einüben, dass sie zur guten Kultur eines Unternehmens wird? Oder hat Spiritualität in einem Unternehmen nichts zu suchen, weil sie in die Privatsphäre gehört? Ist sie am Ende gar gefährlich, weil sie als Unruhe im Uhrwerk der Wirtschaft ja doch mehr sein müsste als ein Mittel zum Zweck der Systemstabilisierung und des Erfolgs?

Diese und andere Fragen werden wir beim diesjährigen interdisziplinären Kolloquium des Instituts persönlichkeit+ethik in den Blick nehmen. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Aufschlussreichtum und den Gegenwartspotenzialen christlicher Spiritualität. Herzliche Einladung zu einem sicherlich kontroversen, aber bestimmt auch instruktiven Denk- und GesprächsRaum im Herzen Nürnbergs!

Referate:

  • „Spiritualität auf dem Markt: Was ist dran am Trend zum Geist?“ – Beobachtungen aus der Perspektive eines Unternehmensberaters und Trainers (Hans Fink, Managementtraining und Organisationsentwicklung, Wörth).
  • Spirituelle Selbstwerdung - Der Weg der spekulativen Philosophie (Prof. Dr. Peter L. Oesterreich, Lehrstuhl für Philosophie, Augustana-Hochschule, Neuendettelsau).
  • „Was Führungskräfte (nicht) brauchen können. – Spiritualität in Unternehmen“ – Gedanken einer Unternehmerin (Christine Fink, Geschäftsführende Gesellschafterin, Lorenz Zeitarbeit Office GmbH&Co. KG, Nürnberg).
  • „Evangelische Lebenskunst“ – Das Spiritualitätskonzept von persönlichkeit+ethik (Pfarrer Dr. Ralf Frisch, Institut persönlichkeit+ethik, Erlangen). 

Kolloquium 2005 (24. Juni 2005, Nürnberg)
Ethos und Ethik in Organisationen.
Zur Institutionalisierung von Ethik in Profit- und Nonprofit-Unternehmen.

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren mit beträchtlichem Aufwand Leitbilder oder Führungsgrundsätze formuliert. Oft sind diese Dokumente mit ethischen Ansprüchen durchsetzt. Mittlerweile aber hat sich Ernüchterung, ja Enttäuschung breit gemacht. Ist die große Zeit der Leitbilder vorbei? Kenner der Szene sagen: Ja – und nein. Gegenwärtig werde besonders überprüft, durch welche Methoden und Prozesse die Versprechen der Leitbilder mit dem Alltagsgeschäft vermittelt werden können.

Damit kommt es auch in Organisationen zu einem Phänomen, das in der Psychologie als Spannung zwischen expliziter Äußerung und Körpersprache beschrieben wird. Warum hält sich manches Ethos und manche Grundeinstellung in Organisationen – ungeachtet des Leitbildes – mitunter zäh? Bleibt den MitarbeiterInnen nur der Rückzug in den Zynismus, weil der Graben zwischen Anspruch und täglich erlebter Mikropolitik kaum anders aushaltbar ist? Oder gibt es Bereiche, in denen die ethischen Versprechen von Leitbildern durch Menschen und Methoden, durch Personen und Prozesse mindestens ansatzweise gedeckt sind?

Wir fragen nach Modellen und Beispielen, wie die Ethik in Organisationen durch ein gelungenes Wechselspiel von Leitbild und alltäglichen Prozessen befördert werden kann. Und wir fragen danach, wie sich in vom Wettbewerb zuweilen erheblich unter Druck gesetzten Organisationen Spiel- und Denkräume für ethisches Wahrnehmen und Agieren offen halten und neu etablieren lassen. Welche Rolle spielen dabei „Geist“ und Kultur einer Organisation? Welche Rolle spielen Persönlichkeiten? Was lässt sich in Prozesse und Kodizes gießen? Was nicht? Wie kann Ethik in Organisationen zum Thema und möglicherweise gar zum strategischen Erfolgsfaktor werden? – Diesen und weiteren Fragen stellen wir uns beim fünften Kolloquium des Instituts persönlichkeit+ethik.

Referate

  • Unternehmensethik im Führungsprozess der Unternehmung (Prof. Dr. Dr. hc. mult. Horst Steinmann, Lehrstuhl für allgemeine BWL, Universität Erlangen-Nürnberg)
  • Wertvorstellungen und strukturell wirksame Muster. Das Beispiel der Diakonie (Prof. Dr. Beate Hofmann, Evang. Fachhochschule Nürnberg)
  • Compliance und Nachhaltigkeit zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Erfolgsfaktoren aus Sicht der pharmazeutischen Industrie. (Martin Eschbach, Leiter der Rechtsabteilung, Compliance Officer, Novartis Pharma GmbH, Nürnberg)
  • Die Sprache des Geldes und das Ethos der Organisation. Anmerkungen aus protestantischer Perspektive (Prof. Dr. Joachim Track, Lehrstuhl für systematische Theologie, Augustana-Hochschule Neuendettelsau)

 

Kolloquium 2004
Persönlichkeit zählt. Aber lohnt sie sich auch? Vom Nutzen und Nachteil der Persönlichkeit für Organisationen
Haus eckstein, Nürnberg, Freitag, 2. Juli 2004.

Vom Wert der Persönlichkeit ist viel die Rede. Idealerweise sollen Führungskräfte in Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche selbstbewusste, durchsetzungsstarke und zugleich sensible und kommunikative Persönlichkeiten sein. Persönlichkeiten sind gefragt. Das merkt man vor allem dort, wo sie fehlen.

Persönlichkeit zählt. Aber lohnt sie sich auch? Rechnet es sich für eine Organisation, wenn sie die Währung „Persönlichkeit“ einführt? Nicht von ungefähr spricht man ja von soft skills. Es scheint, als sei die Währung „Persönlichkeit“ nicht eben eine harte Währung. Aber wer in Persönlichkeitsbildung investiert, verspricht sich einen return on investment, der zwar als Veränderung der Kultur und des Geistes einer Organisation spürbar, aber eben kurzfristig nicht schwarz auf weiß in Zahlen darstellbar ist. Diese Unschärferelation der Persönlichkeitsbildung fordert Fragen nach dem Nutzen und dem Nachteil der Persönlichkeit für Organisationen natürlich geradezu heraus. Gewinnt auch die Organisation, wenn der Mensch gewinnt? Ist Persönlichkeitsbildung als „übernützliche“ Investition für das Unternehmen vielleicht paradoxerweise nur dann wirklich nützlich, wenn sie nicht von vornherein funktionalisiert und als Mittel zum Zweck instrumentalisiert wird?

Persönlichkeiten erkennt man nicht zuletzt daran, dass sie sich von ihrer Umwelt wohltuend, manchmal allerdings auch irritierend unterscheiden. Selten sind sie angepasst und stromlinienförmig, sondern agieren mit Profil und so auch mit Ecken und Kanten. Aber kann das im Sinne einer Organisation sein, der es doch gerade um corporate identity, also um die Identifizierung von Menschen mit „ihrem“ Unternehmen gehen muss? Stehen die Logik der Persönlichkeit und die funktionale Logik einer erfolgreichen Organisation am Ende einander im Weg? Legt sich gar der Umkehrschluss nahe: Je mehr Persönlichkeit, desto geringer der Nutzen und desto größer der Nachteil für das Unternehmen? Diese und andere Fragen stellt sich das interdisziplinäre Julikolloquium 2004.

Referate

  • Dipl. Ing. Helmut Gierse, Vorsitzender des Bereichsvorstandes, Siemens A&D, Nürnberg: "Persönlichkeiten im Unternehmen. – Das spannende Verhältnis 'harter' und 'weicher' Erfolgsfaktoren bei Siemens Automation and Drives"
  • Prof. Dr. Otfried Kießler, Leiter des Fachbereichs Personal und Organisation, Gesamthochschule Kassel: "Die Zentralität personalen Handelns in Theorie und Praxis der Unternehmung"
  • Prof. Dr. Joachim Track, Lehrstuhl für Systematische Theologie und Philosophie, Augustana Hochschule Neuendettelsau: "Wovon reden wir, wenn wir von Persönlichkeit reden? – Einige theologische Grundüberzeugungen des Instituts persönlichkeit+ethik“
  • OKRin Dr. Hanna Zapp, Referat Personal- und Organisationsförderung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: "Perspektiven der Personalförderung in der evangelischen Kirche"

Kolloquium 2003 am 4. Juli 2003 in Nürnberg.
achtsamer.effizienter.nachhaltiger – Die Zukunft der Bildung

  • Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Oberlandeskirchenrätin, Hannover:
    "Die Potenziale des Menschen und die Zukunft Gottes. Christliche Aspekte zur Bildung" (ggf. von der Autorin erhältlich)
  • Helmut Hamer, Leiter Führungskräftebetreuung DATEV, Nürnberg
    "Kompetenzkriterien bei der Auswahl und Förderung von Führungskräften – Prozess, Instrumente und Fördermaßnahmen"
  • PD Dr. Ulrich Metschl, Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte, München:
    "'…sondern auch der Weisheit Lehren?' – Universitäten und ihr Beitrag zur Bildung"
  • Regina Pötke, Ministerialrätin im Staatsministerium für Unterricht und Kultus, München:
    "Wohin fährt das Bildungsschiff?"

Kolloquium 2002
CI and I. Zwischen Corporate Identity und eigener Persönlichkeit.

  • Dr. Daniel Dietzfelbinger, Leiter Referat Technik und Gesellschaft, MAN AG, München:
    "Leitbildentwicklung als Instrument zur Corporate Identity". Ein Bericht aus der Praxis
  • Prof. Dr. Peter Oesterreich, Augustana Hochschule, Neuendettelsau:
    "'Selbsterfindung zwischen Unternehmensidentität und persönlicher Identität"
  • Prof. Dr. Walther Müller-Jentsch, Ruhr-Universität, Bochum:
    "Mitbestimmung in Organisationen – Wirtschaftlicher Erfolgsfaktor oder demokratisches Gebot?"
  • Dr. Thomas Zeilinger, Institut p+e, München:
    "'Woran Du Dein Herz hängst, …' – Woran Unternehmen glauben (machen)"